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Caspers neue Single „Lang lebe der Tod“ richtet sich gegen deine primitive Unterhaltungssucht


Mit „Lang lebe der Tod“ meldet sich Casper nach drei Jahren zurück und kritisiert im Song die Vergnügungssucht der Menschen in der westlichen Welt.

Das Lied ist der Titeltrack zum gleichnamigen neuen Album von Casper (VÖ: 23.09.16) und gibt einen Vorgeschmack in welche musikalische Richtung es den Bielefelder dieses mal verschlagen hat.

Der Song handelt von dem ständigen Verlangen nach Unterhaltung und der Idolisierung von Künstlern, die gerade der Teenie-Schwarm Casper nur zu gut kennen wird.

Es scheint wie eine bewusste Provakation der Fans, dass Caspers neue Single ein düsteres und hartes Gewandt trägt. Das steht im Gegensatz zu den radiotauglichen Songs aus seinem letzten Album wie „Hinterland“ oder „Im Ascheregen“. Deshalb fragt Cas‘ direkt seine Fans:

Ist es das, was ihr wollt?
Ist es das, was ihr liebt?
Klatscht ihr brav im Takt, he?
Seid ihr vergnügt, he?

Er hält dem Publikum vor, durch den ständigen Konsum von Unterhaltung soweit abgestumpft zu sein, dass nur noch die extremsten und explizitesten Darstellungen Reize auf sie ausüben. Für tiefgründige, oft sperrige und unauffällige Kunst gibt es keinen Raum mehr.

Alles schon gesehen, alles schon gewohnt
Alles schon erlebt – Unterhaltung, los!

Das verdeutlicht Casper durch Bilder aus der Welt von Circus und Zoo, wo Tiere und auch Menschen zu Unterhaltungszwecken in gefährliche Situationen gebracht werden oder allein durch ihre Exotik die Besucher unterhalten.

Spring durch den brennenden Reif
Tanz auf dem heißen Eisen, zeig‘ die Beißer, ja, führt ihn im Kreis
Klopf an die Scheibe, sonst pennt er noch ein
Darf nicht sein – Nein! Nein! Nein!

Casper bezeichnet diesen Kult als „Spiel und Brot für die Massen“ und spielt damit auf die Unterhaltungskultur der römischen Antike an.

Im Kolosseum kämpften Gladiatoren auf Leben und Tod gegeneinander. Auch exotische Tiere wie Löwen, Tiger und Elefanten wurden gegeneinander  oder auf Menschen losgehetzt. Die Veranstaltungen dienten den Herrschern oder aufstrebenden Politikern als Mittel sich bei den Massen beliebt zu machen.

Lange lebe der Tod: Das galt auch schon für die Römer (Pollice Verso von Jean-Léon Gérôme 1872) Casper
Lange lebe der Tod: Das galt auch schon für die Römer (Gemälde von Jean-Léon Gérôme, 1872)

Der Titel des Songs „Lang lebe der Tod“ drückt das verlangen nach Blut und Gewalt in jedem Menschen aus – der Tod des Darstellers wird zum ultimativen Entertainmentfaktor.

Die Zurschaustellung von Mensch und Tier zieht sich in der Geschichte der Menschheit bis in die heutige Zeit: Der Zoo in seiner massenzugäglichen und kommerzialisierten Form hat seine Ursprünge im 19. Jahrhundert. Noch bis in die 1940er Jahre war die Vorführung von Menschen aus exotischen Ländern in „Völkerschauen“ ein Publikumsmagnet. Auch heute wird in Filmen Sex und Gewalt häufig thematisiert, da es die Menschen anzieht. Man denke nur an die Serie „Game of Thrones“

Menschen im Zoo auszustellen galt bis 1945 als normal. (Bild: Vikotira Schmidt-Linsenhoff (Hg.): Plakate 1880-1914: Inventarkatalog des historischen Museums Frankfurt, S.252)
Menschen im Zoo auszustellen galt bis 1945 als normal. (Bild: Vikotira Schmidt-Linsenhoff (Hg.): Plakate 1880-1914: Inventarkatalog des historischen Museums Frankfurt, S.252)

Diese Schaulustigkeit verbindet Casper mit einer Dekadenz des Publikums, das sich, wie man es aus dem Kino gewohnt ist, in bequemer Position mit Essen vollstopft und die Show genießt. Der Zuschauer erwartet Gewalt und Spektakel als Gegenleistung für sein Eintrittsgeld.

Gutes Geld, verdammt, gib ihm die Kugel schon!
Süße Drinks, Nüsse, Chips
Prima-Blick-Kinositz, will sehen, wie’s an die Linse spritzt

Der Refrain, der im Original aus dem Song „Hast du auch so viel Spaß?“ (2013) vom Sänger Dagobert stammt, wird von drei jeweils verschiedenen Sängern gesungen (Sizarr, Dagobert und Blixa Bargeld). Er kann als Anspielung auf die vermeintlich „ewige“ Liebe der Fans zu ihrem Idol gedeutet werden, die in Wahrheit jedoch nur das Verlangen nach mehr Unterhaltung ausdrückt.

Der Song ist sowohl musikalisch als auch textlich sehr interessant und hörenswert geworden und deutet an, dass sich Casper als Künstler weiterentwickelt hat. Das mag nicht jedem Fan gefallen und das ist auch genau so gewollt.

Hier ist das Video zum Song:

Dieser Beitrag ist ein Teil der Reihe „Song-Quickie“ [SQ], in der Songs mit herausragenden Text kurz und griffig analyisert werden. Bitte teile den Beitrag um diesen Blog zu untersützen, wenn er dir gefällt.

Vielen Dank an Johannes für das Korrekturlesen!

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Veröffentlicht von

Joschka

Joschka studiert Geschichte und Fachjournalistik Geschichte in Gießen seit dem Wintersemester 2014/15. Am Schlagzeug entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik. Er ist Fan der "Arctic Monkeys" und von Kendrick Lamar. In Geschichte steht er vor allem auf Oldschool-Shit wie Herodot, doch auch Zeitgeschichte ist voll sein Ding. Du findest ihn auf twitter unter @el_buechso

2 Gedanken zu „Caspers neue Single „Lang lebe der Tod“ richtet sich gegen deine primitive Unterhaltungssucht“

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