Gab es die Dothraki wirklih? Wer war der echte Khal Drogo?

Game Of Thrones: Gab es die Dothraki wirklich?


In der TV-Serie „Game of Thrones“ sind die Dothraki ein Reitervolk, deren Krieger gefürchtet sind. Doch gab es ein Volk wie die Dothraki auch in der wirklichen Geschichte? Wer war das Vorbild für Khal Drogo? Die Antworten findet ihr in meiner neuen Serie: Geschichte und Game of Thrones. (enthält Spoiler).

Die Dothraki aus „Game of Thrones“ bzw. aus George R.R. Martins Buchvorlage „Ein Lied von Eis und Feuer“, beherrschen zu Beginn der Serie die Steppen des Kontinents Essos, einer Landmasse östlich von Westeros. Sie werden dargestellt als nomadisch lebende Barbaren, die ihre größte Freude aus  Blutvergießen gewinnen. Die Dothraki sind kein geeintes Volk: Die Macht unter den ihnen teilt sich zwischen einzelnen Stammesoberhäuptern, den Khals, auf. Stammeskriege und Plünderungszüge prägen den Alltag der Dothraki. Sie kämpfen vom Pferd aus mit einer gebogenen Klinge und manchmal auch mit Peitschen und verzichten auf Rüstung, um beweglich zu sein. Die Pferde sind ihnen heilig, weswegen sie ihren Gott bezeichnen als den Hengst, der die Welt besteigt. In „Game of Thrones“ folgen wir dem Khalasat (Stamm) von Khal Drogo, den Daenerys Tagaryen, eine der Hauptrollen der Serie, heiratet.

Gab es die Dothraki wirklih? Wer war der echte Khal Drogo?
Waren die Thraker das Vorbild für Khal Drogo und seine Dothraki?

Es gab in der Weltgeschichte viele Reitervölker oder Völker, die vor allem zu Pferde kämpften. Die bekanntesten von ihnen sind wohl die Hunnen und die Mongolen. Doch geht man zurück bis in die Antike, stößt man auf ein Volk, das den Dothraki, allein schon vom Namen, am meisten ähnelt: Die Thraker.

Die Thraker lebten in Gebieten des heutigen Ungarn und Rumänien. Ihre kulturellen Wurzeln gehen bis in das dritte Jahrtausend vor Christus zurück.

Ihre erste Erwähnung finden die Thraker im ältesten literarischen Dokument der abendländischen Geschichte: Den „Ilias“, ein Epos des Erzählers Homer (nicht Simpson). Dort nennt Homer Thrakien die „Heimat der schnellen Rösser“.

Genau wie die Dothraki waren die Thraker ein geteiltes Volk. So berichtet der griechische Geschichtsschreiber Herodot: „Das thrakische Volk ist nach dem indischen das größte der Erde. Wäre es einig und hätte es nur einen Herrscher, so wäre es unbesiegbar und meiner Meinung nach bei weitem das mächtigste Volk, das es gibt. Aber da das unmöglich ist und gewiss niemals von ihnen erreicht werden wird, so sind sie schwach. In jeder Landschaft haben sie einen besonderen Namen, doch sind die Sitten des ganzen Volkes durchweg dieselben.“

Dothrakische und thrakische Stammesfürsten bekriegten sich untereinander. Die Thraker waren im Unterschied zu den Dothraki sesshaft. Allerdings zogen es die Thraker-Fürsten vor, statt von Ackerbau und Viehzucht zu leben, ihren Reichtum durch Raubzüge zu mehren. Dabei ritten sie mit ihren Kriegern Angriffe auf benachbarte (thrakische) Stämme und so bestand ihre Armee zu einem Drittel aus Reitern. Die Thraker wurden aufgrund ihrer berserkerhaften Wildheit gefürchtet und galten für die Griechen als Inbegriff für ein Volk unzivilisierter Barbaren. Während sich die Dothraki zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten den Körper bemalten, tätowierten sich die Thraker. Eine große Anzahl an Tätowierungen zeugte von einer adeligen Abstammung. Im Gegensatz zu den Dothraki, die eher dunkle Haare und braune Haut haben, waren die Thraker wohl oft rothaarig und hellhäutig.

Zeichnung eines thrakischen Schwerts_By MittlererWeg (Own work) [GFDL (httpwww.gnu.orgcopyleftfdl.html) or CC BY-SA 3.0 (httpcreativecommons.orglicensesby-sa3.0)], via Wikimedia Commons
Zeichnung eines thrakischen Schwerts_By MittlererWeg [GFDL (httpwww.gnu.orgcopyleftfdl.html) or CC BY-SA 3.0 (httpcreativecommons.orglicensesby-sa3.0)], via Wikimedia Commons

Ihre Haare trugen die Thraker nach hinten gekämmt und zu einem Zopf gebunden. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit mit den Dothraki, bei denen die Länge des Zopfes zeigt, wie lange ein Krieger in der Schlacht unbesiegt ist.
Die Thraker kämpften ebenfalls mit einem Schwert mit gekrümmter Klinge: Dem Romphaia. Es wurde beidhändig geführt und war bis zu zwei Meter lang.

Auch in der thrakischen Kultur wurden Pferde verehrt: Ein Pferd galt als das edelste Gastgeschenk eines Herrschers und neben einigen griechischen Gottheiten, wie Artemis, der Göttin der Jagd, beteten sie einen Heros an, der als der „Thrakische Reiter“ bekannt ist.

Die Ähnlichkeiten zwischen den historischen Thrakern und George R.R. Martins Dothraki sind offensichtlich und so waren die Thraker wohl eine der Inspirationsquellen für Martins Reitervolk.

Bei den Dothraki muss eine schwangere Khaleesi ein Pferdeherz essen.
Bei den Dothraki muss eine schwangere Khaleesi ein Pferdeherz essen.

Im nächsten Teil der Serie erfahrt ihr, welche grausame Szene aus Game Of Thrones es in der Geschichte in ähnlicher Form gegeben hat und was Khal Drogo mit Dshingis Khan gemeinsam hat.

Quellen: Homer: Ilias, Übersetzung von Johann Heinrich Voss, Frankfurt am Main 1990. (verfügbar unter http://gutenberg.spiegel.de/buch/ilias-1821/2)

Herodot: Historien, Übersetzung von Egon und Gisela Gottwein (verfügbar unter http://www.gottwein.de/Grie/hdt00.php).

Literatur: Joseph Wiesner, Die Thraker, Stuttgart 1968.

Die Thraker aus : Hermann Ament u.A: Frühe Völker Europas, Stuttgart 2003.

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Veröffentlicht von

Joschka

Joschka studiert Geschichte und Fachjournalistik Geschichte in Gießen seit dem Wintersemester 2014/15. Am Schlagzeug entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik. Er ist Fan der "Arctic Monkeys" und von Kendrick Lamar. In Geschichte steht er vor allem auf Oldschool-Shit wie Herodot, doch auch Zeitgeschichte ist voll sein Ding. Du findest ihn auf twitter unter @el_buechso

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