Kendrick Lamar: Der neue Martin Luther King Jr. ? Teil 1


Malcom X, Martin Luther King… Kendrick Lamar? Der Rapper hat mit seinem Album „To Pimp A Butterfly“ ein Manifest für ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen US-Amerikaner abgeliefert. Lamar sprengt die Grenzen des Hip Hops und knüpft trotzdem an dessen politische Ursprünge an. Er stellt sich damit auch in Tradition des „Civil Rights Movements“ der 1960er Jahre.

Dies ist der erste Teil einer Serie zu Kendrick Lamar und dem Vergleich zu Martin Luther King. Folgt dem Blog, um die nächsten Teile nicht zu verpassen!

Der Hype um Kendrick Lamar scheint seit er 2012 „good kid, M.A.A.d City“ veröffentlichte nicht mehr enden zu wollen. Das Album, sein Debut unter einem Major Label (Interscope/Universal), erreichte Platin-Status. Doch damit nicht genug: Sein neuestes Werk „To Pimp a Butterfly“ (März 2015) wurde an den ersten zwei Tagen nach der Veröffentlichung knapp 20 Millionen Mal auf der Musik-Plattform „Spotify“ gestreamt. Lamar gilt seither international als Hoffnungsträger des Hip Hop. Doch für viele seiner Fans ist Kendrick Lamar mehr als das: Für sie ist er ein Idol, ein Vorbild und ein geistiger Anführer gegen die Unterdrückung der Schwarzen in Amerika

Kendrick Lamars neustes Album "To Pimp A Butterfly"
Kendrick Lamars neuestes Album: „To Pimp A Buttefly“ (Quelle: Universal Music)

„Ich bin eine Stimme für all jene, denen die Worte fehlen“

Die Texte von Kendrick Lamar sind keine leichte Kost. Das aktuelle Album des 28-Jährigen namens „To Pimp A Butterfly“ behandelt die Identitätskrise der Schwarzen US-Amerikaner, den Kampf gegen rassistische Vorurteile und die tragischen Ereignisse in Lamars eigener, von Kriminalität geprägter Jugend. Nach den Anschlägen und Polizeiübergriffen auf Schwarze US-Bürger in den vergangenen Monaten in Ferguson, Baltimore und Charleston, trifft sein Album mitten ins Herz der USA und ihrem Selbstbild als Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. „Ich bin eine Stimme für all jene, denen die Worte fehlen“ sagte Lamar in einem Interview bei MTV. Er möchte sich nicht als Opfer des Systems darstellen. Stattdessen wirbt er in seinen Songs und Interviews für ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen Bevölkerung.

Rap für die Straße – und für die geistigen Eliten?

Beim Hören seines neuesten Werkes merkt man schnell „To Pimp A Butterfly“ ist mehr als nur noch ein Rap/Hip-Hop Nummer 1 Album. In den USA wurde es vom Feuilleton als ein literarisches und musikalisches Meisterwerk gefeiert. Lamar dringt mit seinen Liedern bis ins Bildungsbürgertum durch: An der Regents University in Augusta, Georgia wird seit seinem Major-Debüt „good kid, m.A.A.d. City“ ein Seminar angeboten, in dem Studenten die Texte Kendrick Lamars auf die Darstellung sozialer Probleme untersuchen. Sogar der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Autor Michael Carbon („Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay“), der erst kürzlich von der „New York Times“ als einer der wichtigsten Autoren des neuen Jahrtausends gekürt wurde, ließ sich hinreißen einige Verse Lamars auf der Songtext-Diskussionsplattform genius.com zu interpretieren.

 

„The Blacker The Berry“, eine der Single-Auskopplungen des neuen Albums, ist ein starkes Beispiel für die Tiefe der Texte Lamars. Der Song beginnt mit einem inneren Monolog des lyrischen Ichs, der die Zerrissenheit bezüglich der eigenen Wahrnehmung der Hautfarbe darstellt. So murmelt er wiederholt Satzbruchstücke wie:

„ Everything black, I don’t want black I want everything black,
I ain’t need black on black, I ain’t mean black
I everything black, aint need black“

Während des Monologes hört man eine Frau im Hintergrund singen:
„They want us to bow. Down to our knees. To pray to a god. We don’t believe“.
Lamar tritt zu Beginn jeder einzelnen Strophe als Anwalt auf, der sich vor dem „Zeugen“ (witness) als größten „Heuchler“ (hypocrite), entlarven will. Er rechnet mit den Vorurteilen der Weißen gegenüber Afroamerikanern ab:

„My hair is nappy, my dick is big, my nose is round and wide“.

Er geht so weit, dass er den weißen Rassisten noch mehr als Hass unterstellt:

„You hate my People, your plan is to terminate my culture. […] You sabotaged my community, makin‘ a killin‘.You made me a killer, emancipation of a real nigga“

 

 „Black don’t crack“

Lamar verschont auch seine eigene Gemeinde nicht mit Kritik, vergleicht die Straßenschlachten der Gangs in seiner Heimatstadt Compton – ­ den Compton Cribs und den Pirus Bloods – ­ mit dem Hass zwischen den südafrikanischen Stämmen der Zulu und Xhosa. Er richtet sich gegen die Schwarzen, die bei Gewalt der Weißen den Zeigefinger heben, selbst jedoch andere Afroamerikaner ermorden.
Erst zum Ende des Songs wird angedeutet, warum Lamar sich als Heuchler entlarvt:

„So why did I weep when Trayvon Martin was in the street? When gang banging make me kill a nigga blacker than me?“

Er lässt den hörer damit im Unklaren, ob a) Lamar selbst einen Mord bei einer Straßenschlacht (Gang-Banging) begangen hat oder ob b) die Mordphantasie ein bildlicher Ausdruck der Wut Lamars ist oder c) der Hörer aus dem Establishment für den Mord verantwortlich ist, da durch die Unterdrückung der Schwarzen Unterschicht erst soziale Probleme entstehen.

„How do we expect them to respect us?“

Proteste gegen Polizeigewalt in Ferguson im August 2014
Proteste gegen rassistische Polizeigewalt in Ferguson im August 2014 (Quelle: Jamelle Bouie)

Lamar geht in dem Text auf die Ereignisse in Ferguson, indem er ein Bild von brennenden Autos auf den Straßen zeichnet („Six in the morn‘. Fire in the street. Burn baby, burn, thats all I wanna see.“). In Ferguson waren, nachdem der 18-jährige Afro-Amerikaner Michael Brown von einem weißen Police Officer erschossen worden war, Demonstrationen der Bevölkerung gegen die Polizei gewaltsam niedergeschlagen worden. Bei einem Interview mit dem Billboard-Magazin hatte Lamar sich zu den Ereignissen geäußert: „I wish somebody would look in our neighborhood knowing that it’s already a situation, mentally, where it’s f[uc]ked up. What happened to [Michael Brown] should’ve never happened. Never. But when we don’t have respect for ourselves, how do we expect them to respect us? It starts from within“. Lamar ist der Meinung, dass Schwarze, trotz all des Leids und der Diskriminierung, stark bleiben müssen „Black don’t crack, my nigga“, heißt es deshalb in „The Blacker the Berry“. (http://www.myblackdontcrack.com/) )
Ferguson hatte zuvor auch in der Hip Hop-Szene für große Aufregung gesorgt.

Zu MTV sagte Lamar: „I feel it’s a better way to do something. Me putting out this album is a way of starting to do something.“

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um den Vergleich von Kendrick Lamar mit Größen wie Martin Luther King Jr.


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*Hinweis: Ausdrücke wie „nigga“ sind Zitate und entsprechen ausdrücklich nicht der Ausdrucksweise des Autors

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Veröffentlicht von

Joschka

Joschka studiert Geschichte und Fachjournalistik Geschichte in Gießen seit dem Wintersemester 2014/15. Am Schlagzeug entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik. Er ist Fan der "Arctic Monkeys" und von Kendrick Lamar. In Geschichte steht er vor allem auf Oldschool-Shit wie Herodot, doch auch Zeitgeschichte ist voll sein Ding. Du findest ihn auf twitter unter @el_buechso

2 Gedanken zu „Kendrick Lamar: Der neue Martin Luther King Jr. ? Teil 1“

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